, Valérie Ragger

WintiSplash Nr. 2: Vom Wasser an den Beckenrand

Für diesen Monat habe ich vier AthletInnen der Juniors interviewt, die im Verlauf des letzten Jahres ihre Trainerausbildung begonnen haben. Ich wollte wissen, wie es ist, anstelle im Wasser am Beckenrand zu stehen und was sie bis jetzt für Erfahrungen damit gemacht haben.

Emma Lang

Ich heisse Emma Lena Lang, bin 16 Jahre alt und besuche die Fachmittelschule Rychenberg. Ein Fun Fact über mich ist es, dass ich bei gewissen Dingen, wie meinem Schwimmrucksack einen gewissen Ordnungszwang habe, an anderen Orten jedoch leider weniger. Wäre ich ein Essen, dann definitiv eine Lasagne, weil sie vielschichtig ist.

Ich lebe in Dättnau mit meinen Eltern, meinen zwei Brüdern, die 18 und 20 Jahre alt sind, meiner 13-jährigen Schwester und sechs (noch) kleinen Schildkröten.

Mit dem Schwimmen habe ich schon im Alter von vier Jahren begonnen durch Schwimmkurse. Nebenbei habe ich jedoch noch andere Sportarten ausprobiert, wie das Tanzen und Fussball. Bevor ich mich entschieden habe mich ganz dem Schwimmsport zu widmen, war ich noch für sechs Jahre im Geräteturnen. Somit bin ich seit bereits neun Jahren Mitglied des Schwimmclubs Winterthur. Ich wurde vor allem auch durch meine ältere Cousine Anouk angespornt, die schon etwas vor mir Teil des Vereins war.

Nebst meiner Cousine sind auch meine Eltern Heinz und Renata aktive Mitglieder des SCWs und investieren viel Zeit in ihn. Meine Schwester Johanna ist ebenfalls dem Schwimmclub angehörig und trainiert in der Jugend A. Meine beiden Brüder, Leo und Emil, sind ebenfalls von klein auf sportlich unterwegs, allerdings auf dem Fussballplatz.

Ausserhalb des Schwimmens unternehme ich gerne Dinge mit meinen Freundinnen oder geniesse mal die Zeit für mich allein.

Im letzten Jahr hatte meine Mutter die Idee, dass ich beginnen könnte Schwimmtrainings zu leiten. Dies kam gerade gelegen, denn ich konnte diese neue Erfahrung in mein Abschlussprojekt für die 3. Sekundarstufe umsetzen. Mein erster Eindruck war, wie anstrengend das Ganze sein kann, jedoch ist es mit viel Freude verbunden. Meine erste Reaktion war, auch wenn es jetzt ein wenig blöd klingt, wie ich in diesem Alter schon viel weiter war und mehr konnte. Die Kinder sind weniger weit, als ich erwartet hatte und haben zum Teil auch später angefangen mit dem Schwimmen. Ich denke, es liegt aber auch daran, dass wir mittlerweile viel mehr Kinder und Jugendliche im Verein haben als noch vor ein paar Jahren und somit eine grössere Bandbreite an Leistung.

Mit dem Rollenwechsel ist mir auch aufgefallen, wie sich manchmal unser Trainer Christoph mit uns fühlen muss. Es braucht deutlich mehr Geduld am Beckenrand zu stehen und acht Kinder zu betreuen, im Auge zu behalten und zum Zuhören zu bringen, als einfach zu schwimmen.

Am besten in meiner Rolle als Trainerin gefällt mir vor allem zu sehen, wie die Kinder lernen und Fortschritte machen. Es ist ebenfalls schön mein Wissen und meine Erfahrungen mit den noch jungen SchwimmerInnen teilen zu dürfen. Ebenfalls erfüllend finde ich, dass ich die Trainerin sein kann, die ich mir in deren Alter immer gewünscht hatte und die Kinder vielleicht auch brauchen. Ich möchte es als Trainerin besser machen, als es gewisse TrainerInnen bei mir gemacht haben.

In meinen Augen braucht man als TrainerIn Verständnis, Geduld und einen gewissen Respekt vor der Leistung der Athleten und Athletinnen. Sie brauchen auch sicher die Fähigkeiten der Improvisation und gute Rückmeldungen geben zu können. Ich denke ich erfülle diese Punkte und darüber hinaus, weiss ich, was ich als Athletin von meinen Trainern erwarten würde und kann mich gut in die Schwimmer hineinversetzen. Mir ist es wichtig die Kinder direkt auf unpassendes Verhalten hinzuweisen und lobe sie lieber einmal zu viel als zu wenig. Die Aussagen, mit denen ich schon konfrontiert wurde, lassen mich hinterfragen, wie ich einfach weitermachen konnte und es dazu noch niemandem erzählt habe. Eine Erfahrung, die ich machen musste, war, als ich den Startsprung nicht gut genug konnte und die Trainerin mich als behindert und dumm beschimpfte. NIEMALS werde ich sowas in der Art meinen SchwimmerInnen sagen. Kritik ist zwar wichtig und gehört zum Sport dazu, man nennt sie aber Verbesserung und sie sollten immer noch mit einem positiven Punkt in Verbindung gebracht werden.

Der Beruf hat mir ebenfalls gelehrt, wie viele Überlegungen eigentlich hinter einem Training stecken und dass sie eigentlich immer einen Sinn und ein Ziel verfolgen. Ebenfalls musste ich lernen, dass nicht immer alles so läuft, wie man es sich erhofft und geplant hatte. Ich musste auch Spontanität und improvisieren lernen. Die viele Geduld, die es braucht, habe ich nicht immer ganz, versuche es aber mir nicht anmerken zu lassen. Am meisten gelernt habe ich von meiner Mutter, in gewissen Kursen und aber auch durch sehr viel Eigenerfahrung. Mit meinen Arbeitskollegen kann ich dank ihres Vertrauens in meiner Arbeit, ihrer Erfahrungen und des Einbringens ihrer Ideen meinen Job noch besser machen.

Meine Zukunftspläne sind jetzt durch die Erfahrungen, die ich mit den Kindern gemacht habe, ein wenig im Zwiespalt. In den nächsten Monaten muss ich mich in der FMS entscheiden, ob ich das Gesundheitsprofil oder doch das Pädagogische antreten möchte. Im Moment bin ich jedoch noch in einer Gesundheitsklasse eingeteilt.

 Im Schwimmen möchte ich auch in Zukunft mein Bestes geben und erreichen. Mal schauen was herauskommt. Als Trainerin möchte ich aus den kleinen SchwimmerInnen junge Athleten und Athletinnen machen und ihnen die Freude am Schwimmen mitgeben.

Für die Zukunft des Schwimmclubs Winterthur wünsche ich mir besser zusammengestellte Gruppen, da meist die Niveaus und Fähigkeiten der einzelnen SchwimmerInnen weit auseinandergehen. Ausserdem benötigen wir viel mehr TrainerInnen.

Misha Koval

Mein Name ist Mykhailo Koval, auch von allen Misha genannt. Ich bin 16 Jahre alt und gehe an die Kantonsschule im Lee. Nebenbei gebe ich den Masters Training. Meine Familie besteht aus meinen Eltern, mir und einer Katze. Mein Vater betrieb früher verschiedene Kampfkunstarten und meine Mutter war eine professionelle Eiskunstläuferin und Speedskaterin. Sie nahm an drei Weltmeisterschaften teil und gewann die Silbermedaille an den Youth Olympic Games.

Mit dem Schwimmen begann ich im Alter von sechs Jahren. Davor «bewegte» ich mich mehrheitlich aus gesundheitlichen Gründen im Wasser. Als ich mich für eine Sportart entscheiden musste, hatte ich die Wahl zwischen verschiedenen Kampfkunstarten, Fussball oder Schwimmen. Die Kampfkunst belastete meine Wirbelsäule zu sehr und mein Vater sagte mir immer, dass er ohne diese Sportart sicher grösser geworden wäre. Fussball… es ist halt Fussball. Meine Familie mag den Sport nicht wirklich und es ist meiner Meinung nach mehr etwas, das Kinder nach der Schule spielen und man wird im professionellen Sinn weniger ernst genommen. Also blieb zum Schluss nur das Schwimmen übrig. Ich schwamm für über sieben Jahre im selben Pool, bis ich in die Schweiz gezogen bin und mich im April 2022 dem Schwimmclub Winterthur anschloss. Durch die Schule, den Sport und mein Engagement bleibt mir nicht viel Freizeit übrig. Wenn ich aber mal Zeit finde, also vor allem in den Sommerferien, lese ich und bouldere, dies jedoch leider nicht allzu oft. Ein Fun Fact über mich ist es, dass ich es nicht mag nass zu sein. Ich liebe es ins Wasser einzutauchen, aber wenn ich trocken sein sollte und schon nur ein bisschen nass werde, fühlt sich dies schrecklich an. Wäre ich ein Essen, dann eine Orange, einfach weil sie orange (genial oder?) und fröhlich sind. Oder eine Kiwi, ich weiss zwar nicht wirklich weswegen, aber ich liebe das Konzept dieser Frucht von der Flauschigkeit der Schale über die grüne Farbe des Fruchtfleisches bis hin zu der Form der Samen.

Seit eineinhalb Jahren bin ich auch in der Rolle als Trainer anzutreffen. Markus Enz brauchte jemanden am Beckenrand für die Mastersgruppe am Freitagabend, da sonst das Training aus Sicherheitsgründen nicht stattfinden durfte. So kam es, dass ich jeden Freitag das Training leite, und seit letztem September darf ich meine eigenen Trainings schreiben. Beim Erstellen der Trainings wende ich meine eigenen Erfahrungen an, jedoch auch vieles, was ich von Markus gelernt habe. Es wird zwar immer schwieriger interessante und abwechslungsreiche Trainings zu schreiben, aber es macht mir wirklich viel Spass. Anders als bei Kindern, bei denen es auch viel um die technische Entwicklung geht, ist es bei den Masters das Ziel einen Zustand der leichten Ermüdung und Selbstzufriedenheit zu erreichen. Da das Team ausschliesslich aus Erwachsenen besteht, habe ich zwar die Aufgabe sie mit meinen Trainings in diese Ebene zu bringen, jedoch liegt es in ihrer Verantwortung, ob und wie sie die Trainingseinheit umsetzen wollen. Ich mag es mit Erwachsenen zu arbeiten. Das eine Mal, als ich Kinder trainiert habe, war sehr stressig, aber viel mehr Erfahrung habe ich dort noch nicht gesammelt. Die Masters gehen normalerweise nach dem Training noch zusammen essen und mir gefällt es, wenn ich die gute Art von Müdigkeit liefern konnte, auch wenn ich manchmal noch Mühe habe die goldene Mitte zu finden zwischen einem zu einfachen und einem zu harten Training.

Ich denke, die wichtigste Aufgabe eines Trainers ist es die Schwimmer und ihre Ziele zu verstehen, weil es sonst schwierig wird sie glücklich zu machen. Dafür braucht es Aufmerksamkeit und Geduld. Seit ich selbst Trainer bin, habe ich gelernt die Zeit zusammen mit meinem Team mehr zu geniessen.

Ich habe noch keine konkreten beruflichen Ziele. Für den Moment ist es mir einfach wichtig erfolgreich in der Schule zu sein. Als Trainer habe ich momentan zwar keine spezifischen Ziele, aber ich würde gerne meinen Job weiterhin wie gehabt ausüben.

Anouk Schmidberger

Ich heisse Anouk Schmidberger, bin 17 Jahre alt und gehe an die Kantonsschule im Lee. In meiner Freizeit lese ich gerne Bücher, backe und höre Podcasts. Manchmal treffe ich mich mit meinen Freunden und unternehme etwas mit ihnen. Ein Fun Fact über mich ist, dass ich über mehrere Jahre Hackbrett gespielt habe, weil ich es im Radio gehört hatte und unbedingt lernen wollte. Wäre ich ein Essen, dann wohl am ehesten Älpler Makronen, da dies mein absolutes Lieblingsessen ist. Ich lebe mit meinen Eltern und meiner Schwester in Dättnau. Meine älteste Schwester ist bereits ausgezogen. Meine Mutter schwimmt bei den Masters und zwei meiner Cousinen sind ebenfalls Schwimmerinnen des Schwimmclubs Winterthur.

Ich habe wie die meisten bei den Schwimmkursen angefangen und die dazugehörigen Abzeichen gesammelt. Vor etwa acht Jahren wurde die damalige Cheftrainerin vom Schwimmclub Winterthur aufmerksam auf mich und wollte unbedingt, dass ich dem Verein beitrete. Somit durfte ich bei den Kids-B beginnen und habe mich durch alle Gruppen geschwommen, bis ich schlussendlich 2019 bei meinem aktuellen Team, den Juniors, gelandet bin.

Letztes Jahr kam meine Tante auf mich zu, die ebenfalls im Verein als Trainerin tätig ist, und fragte mich nach meiner Unterstützung für eine ihrer Gruppen. Zu Beginn musste ich mich ein wenig an den Umgang mit Kindern herantasten, doch es hat mir sehr schnell viel Spass bereitet. Nach einiger Zeit durfte ich selbstständig die Kids-Avenir leiten. Leider musste ich für dieses Semester die Gruppe vorübergehend abgeben, da sich deren Trainingszeiten mit meinem Stundenplan schneiden.

Seit ich diese Rolle übernommen habe, habe ich gelernt mehr Verantwortung und Pflichten zu übernehmen. Ausserdem weiss ich nun, wie viel Arbeit und Können es wirklich braucht, um eine Gruppe zu trainieren und dass mein Trainer nicht so ein entspanntes Leben hat, wie ich immer dachte. Mir gefällt am besten, dass ich den jüngsten Nachwuchs kennenlernen und ihnen etwas auf dem Weg mitgeben kann.

Ich denke, was eine/n gute/n Trainer/in ausmacht, ist der Spass, den sie an ihrem Job haben. Dies wird eine bessere Lernumgebung schaffen und sich somit auf die Kinder übertragen und sie motivieren weiterzumachen. Mit dem Einstieg in diesen Beruf musste ich auch Flexibilität lernen, da es Tage gibt, an denen man nicht die Fortschritte mit den Kindern macht, die man sich erhoffte. In solchen Fällen sollte man das Training lieber anpassen, anstelle es auf Biegen und Brechen durchzuziehen. Am meisten gelernt und Erfahrungen gesammelt habe ich jedoch während der Zeit, in der ich meine Tante Renata Tschudi und Sibylle Bosshard unterstützt habe.

Für die Zukunft des Vereins wünsche ich, dass er und somit meine zweite Familie bestehen bleiben. Was meine eigene Zukunft betrifft, bin ich offen für alles, aber das Schwimmen wird immer ein Teil davon sein.

Aaron Müller

Mein Name ist Aaron Müller, bin 16 Jahre alt und mache meine Ausbildung zum Kaufmann an der UNITED School of Sports in Winterthur. Ich lebe in Affeltrangen im Kanton Thurgau mit meinen Eltern, meinem Bruder und meiner Schwester. Ich habe meine Schwimmkarriere schon zu Windelzeiten Babykursen begonnen, trainierte im Schwimmclub Frauenfeld und bin seit letztem Sommer Mitglied beim SCW. Mein Bruder ist früher ebenfalls geschwommen, hat jedoch zum Stunt- Scooter gewechselt. In meiner Freizeit schaue ich gerne Filme und gehe ins Kino.

Seit diesem Jahr bin ich am Beckenrand als Trainer der Kids Avenir anzutreffen, nachdem ich mich auf einen Traineraufruf gemeldet habe. Die Kinder unterrichten zu dürfen bereitet mir bis jetzt viel Spass. Dieser Perspektivenwechsel hat mir auch gezeigt, wie man Übungen und Techniken noch anders erklären kann, da es natürlich nicht gleich für jeden logisch und verständlich ist. Dafür ist viel Geduld gefragt, was ich ebenfalls erst erlernen musste. Dadurch, dass Emma und Anouk schon etwas länger unterrichten, profitiere ich von deren Erfahrung.

Ich finde es wichtig, dass man als Trainer den Sportlern zuhört und gleichberechtigt behandelt.

In den nächsten Jahren möchte ich mich weiterhin auf meine Ausbildung fokussieren und diese mit guten Noten abschliessen. Im Schwimmen möchte ich das Beste aus mir herausholen und hoffe, dass der Schwimmclub Winterthur in Zukunft mehr Wasser zur Verfügung hat, damit der Verein wachsen und noch erfolgreicher sein kann.