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Jung und ehrgeizig wie vor 15 Jahren


Wasserball Er träumte davon, mit Deutschland an Olympischen Spielen teilzunehmen. Stattdessen landete Kristijan Gjulaj vor drei Jahren im Schwimmclub Winterthur. Für den Verein ist der Goalie ein Glücksfall.

Eigentlich wäre er gar nicht hier. Nicht Torwart im NLA-Team des SC Winterthur, sondern beim Ligakonkurrenten Genève Natation oder bei Rekordmeister Horgen. «Ich wollte im Ausland spielen und nicht weit weg», erinnert sich Kristijan Gjulaj. Im Ruhrgebiet aufgewachsen, hatte er jahrelang in der Bundesliga Tore verhindert. Aber ihm war nach einer Veränderung zumute. Das war vor zehn Jahren.

Gjulaj war vorgesehen für den Kasten von Genf. «Dann fragten sie mich, ob ich Französisch spreche.» Das Engagement kam nicht zustande. Der damals 28-Jährige meldete sich in Horgen und erhielt vom Trainer die Antwort, man habe vor einer Woche einen Kroaten verpflichtet. Luka Petricevic, Junioren-WM-Zweiter von 2005, ist noch immer am Zürichsee unter Vertrag. Und Gjulaj landete bei Tristar in der NLB.

Verhängnisvoller Wechsel

Es ist nicht die einzige Verwerfung in der Karriere. Gjulajs persönliche Ziele waren ambitioniert. «Ich wollte an Olympischen Spielen teilnehmen», erzählt er. Er war im richtigen Verein: im ASCD. «Jeder Torhüter von Duisburg war Torhüter in der deutschen Nationalmannschaft.» Gjulaj trainierte mit der Auswahl - und der Kroate wartete zweieinhalb Jahre auf den deutschen Pass. Aber er wurde danach gleichwohl nicht berücksichtigt.

«Es war mein Fehler», analysiert Gjulaj. «Ich war naiv und wollte mit 17 nicht mehr zweiter Torhüter in Duisburg sein.» Und dritter erst recht nicht. Der deutsche A-Jugend-Meister mit dem ASCD wechselte, als er vom Interesse seines Stammclubs am späteren rumänischen Nationalgoalie Adrian Fratila vernahm, zu Aufsteiger Düsseldorf. Es sei damals auch Geld im Spiel gewesen und ein Auto, sagt er. «In einem neuen Leben würde ich bleiben.»

So wurde Gjulaj zum Deutschland-Reisenden, spielte drei Saisons für Waspo Hannover (wo er Pokalsieger wurde, in der Champions League startete und ein Jahr als Sportsoldat im Olympiastützpunkt Niedersachsen trainierte), bei Rote Erde Hamm und für den Duisburger Schwimmverein, bevor er in die Schweiz übersiedelte - und ab 2012 nicht mehr Wasserballprofi war. «Du sprichst Deutsch, du hast ein Diplom, du kannst arbeiten», teilte man ihm im dritten Jahr bei Tristar mit.

Winterthurs Goalies boxen

Den Lebensunterhalt verdient der Familienvater heute in der IT-Branche in Sulgen. Als Wasserballer Berufssportler sein, das sei in der Schweiz aber sowieso schwierig. «Du hast hier ja morgens kein Training.» Oder nur in Lugano und Kreuzlingen. Doch am Bodensee, wo er 2015 anheuerte, spielte Gjulaj nur in der zweiten Equipe. Dafür wurde er dort zum Torwarttrainer. Er ist das auch in Winterthur.

Sein Geheimnis als Trainer: «Ich schicke meine Goalies ins Boxen. Dort lernen sie Aufmerksamkeit. Sie verlieren die Angst vor dem Ball. Und weil du beim Boxen aus dir herauskommst, glaubst du mehr an dich selbst.» Auch Gjulaj selbst boxt. «Aber keine Wettkämpfe», lacht er. Er ist aber überzeugt: «Ein Hochleistungssportler muss eine Ausgleichssportart haben.» Früher spielte er Handball.

Lieber nicht schwimmen

«Es machte Spass, beim Handball die Kraft rauszulassen», schmunzelt er. Das Schwimmen dagegen, das mochte er nie sehr. «Darum bin ich Goalie», sagt er. Die Stürmer zur Verzweiflung bringen, das gefällt ihm noch immer. Er sei zwar schon 38, fühle sich aber wie 25. «Ich kann nicht aufhören mit Wasserball. Dafür lebe ich.» Der Support seiner Frau ist ihm sicher, und SCW-Coach Radoslav Moldovanov sei «einer der besten Trainer meiner Karriere». Dank des Wechsels nach Winterthur vor drei Jahren spielt Gjulaj zumindest in der Schweiz noch einmal ganz oben mit.

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